Gute Gründe für gemeinsames Leben und Wohnen unter einem Dach

Wohnprojekt mit guter Nachbarschaft bald auch in Minden 

Informationsveranstaltung am 16.11.2014


Mit der Darstellung ihrer persönlichen Gründe für das Leben in einem Mehrgenerationenwohnhaus begannen Mitglieder des Vereins Mehrgenerationenhaus Minden e.V. die Infoveranstaltung im Hansehaus. Das zu groß gewordene Einfamilienhaus, der zu große Garten im Alter, der Wunsch nach gemeinsamen Unternehmungen und die gegenseitige Unterstützung bei Bedarf- von der Kinderbetreuung bis zur Hausaufgabenunterstützung – all das sind beispielhafte Gründe für ein Leben in eigener Wohnung mit lebendigen nachbarschaftlichen Beziehungen, die auch in Minden möglich werden sollen.

Die stellvertretende Landrätin Kirstin Korte betonte in ihrem Grußwort ihr Verständnis für den Wunsch nach anderen Wohnformen. Ideen entstehen aus Sehnsüchten und diese entstehen in einer immer mehr von technischer Kommunikation betroffenen Welt, in einer Welt der sich wandelnden Familienstrukturen und von Vereinsamung betroffenen Menschen. Hoffnung auf große finanzielle Förderung durch Land und Bund konnte sie allerdings nicht machen und betonte auch, dass Fördergelder abhängig machen könnten. Sie bemerkte, dass die „Kinderwagengeneration“ nicht im Publikum vertreten sei. Man war sich aber einig darüber, dass diese Generation, so zeigen es auch die Beispiele anderer Häuser, sich erst meldet, wenn intensive Planungen und Vorbereitungen abgeschlossen sind und Wohnraum zur Verfügung steht.

Aus dem Alltag des Zusammenlebens berichteten Frau Hof und Frau Klostermann von der StattVilla. Leben wie ein Baum, einzeln und frei, und geschwisterlich wie ein Wald - unter diesem Motto engagieren sich die beiden Frauen seit drei Jahren in diesem Wohnprojekt in Bielefeld. Ein monatliches Kaffeetrinken mit Gästen aus dem Quartier, Kunstausstellungen besuchen und im Haus organisieren, gemeinsame Feiertage, gemeinsames Kochen, und ein eigener hausinterner Laden mit Lebensmitteln gehören zu den festen Einrichtungen und Ritualen in der Hausgemeinschaft. Zur Organisation und auch zur Regelung der Reibungspunkte des Alltags gibt es eine monatliche Hausversammlung. „Wohnen in einem Wohnprojekt heißt auch, bereit sein für eigene Veränderung, bereit sein zur Übernahme von Verantwortung, sich Einbringen mit seinen Fähigkeiten und auch regelmäßiges Überprüfen und Neuausrichten der selbstgesteckten Ziele, “ so Frau Hof von der StadtVilla.

Dass es in Minden zum Bau eines Hauses mit ca. 20-25 Wohneinheiten für Nachbarschaftliches Wohnen kommt, scheint nur noch eine Frage von Geld und Ort zu sein. Erste Gespräche haben bereits mit der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugenossenschaft Senne eG stattgefunden. Die GSWG Senne hat schon Erfahrungen mit Mehrgenerationenwohnhäusern und ihren Bewohnern. Die Bewohner müssen Genossenschaftsanteile zeichnen und einwerben, um für eine Grundfinanzierung zu sorgen. Als Mieter haben sie ein Mitbestimmungsrecht in der Genossenschaft. Auch für Menschen mit geringem Einkommen und Wohnberechtigungsschein werden öffentlich geförderte Wohnungen im Haus bereitgestellt. Menschen die Geld anlegen möchten, können mit ihrer Geldanlage diese Wohnform fördern - ohne in das Haus einzuziehen. Die Rendite liegt zurzeit deutlich über dem bankenüblichen Zinsniveau.

Wo kann in Minden ein Projekt des gemeinsamen Wohnens gebaut werden? Zurzeit befinden sich noch zwei Grundstücke in der engeren Auswahl. Eines westlich der Ringstraße in Richtung Kuhlenstraße/Schwabenring. Für das zweite hat die begleitende Architektin Astrid Engel der Mindener Gruppe eine vom Verfügungsfonds der Stadt Minden bezuschusste Machbarkeitsstudie erstellt. Das Modell zeigt, wie das Grundstück Deichhof für das Mehrgenerationenwohnen genutzt und bebaut werden könnte. In viergeschossiger Bauweise mit Dachgarten wäre dort ein attraktives Gebäude möglich, das das Mindener Zentrum mit neuen Einwohnern beleben und aufwerten würde.

 

 

 

  

 Fotos : Gotthard Peithmann, 2014

 

Die Machbarkeitsstudie und das Modell "Deichhof" wurden gefördert vom

Verfügungsfonds: Minden gestalten - Ideen fördern